Wasserkraftwerk Brixen

 

  

 

 

Wasserkraft aus Eisack und Rienz

Brixens Wasserreichtum ergibt sich aus seiner geographischen Lage an der Südseite des Alpenhauptkamms. Eisack und Rienz sind die beiden wichtigsten Wasserläufe in diesem mehrere tausend Quadratkilometer umfassenden Einzugsgebiet. So hat das Wasser des Eisacks, das bei Franzensfeste in den großen Stausee fließt, ein Einzugsgebiet von fast 700 Quadratkilometer hinter sich. Die Rienz verfügt über ein Einzugsgebiet von mehr als 2.000 Quadratkilometer. Beide Flüsse verfügen über ein Energiepotenzial von enormem Ausmaß. Es lag in der Logik der wirtschaftlichen Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts, dass dieses Potenzial erkannt und genutzt wurde.

Dies hat dazu geführt, dass in Brixen eines der größten Wasserkraftwerke südlich der Alpen entstanden ist. Die Anlage wurde in der Zeit zwischen 1936 und 1941 errichtet. Sie ist seit 1994 automatisiert und wird von einer Fernleitstelle gesteuert. 

Ein umworbenes Projekt: Die Geschichte des Wasserkraftwerks Brixen

Als in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts das Interesse auf die Südtiroler Energiequellen stieg, gehörten die Flüsse Eisack und Rienz zu den ersten, auf denen sich die industrielle Erschließung konzentrierte. Es war die Stadt Brixen, die am 27. Oktober 1921 als erste ein Großprojekt für die gleichzeitige und gemeinsame Nutzung der beiden Flüsse bei der zuständigen italienischen Behörde einreichte. Zwei Jahre später, am 3. September 1923, folgten die italienischen Staatsbahnen mit einem eigenen Projekt. In den folgenden Jahren wurden weitere drei Konzessionsgesuche mit entsprechenden Erschließungsplänen eingereicht, darunter zwei von der „Società Elettrica Alto Adige“ (SEAA). Damals wurde eine Nennleistung von fast 80.000 kW bei einer Fallhöhe von 138,4 Meter von den Technikern für erreichbar und angemessen erachtet.

Nun setzte ein viele Jahre dauerndes Werben um die Konzession ein, und es gab auch, wie bei solchen Großprojekten unvermeidbar, zahlreiche Alarmrufe seitens der einheimischen Bevölkerung und besonders aus der Landwirtschaft und den Handwerksbetrieben. Sie befürchteten, dass durch ein großes Wasserkraftwerk das kostbare Wasser für die lokale Volkswirtschaft verloren gehen könnte, dass Quellen versiegen und besonders die Landwirtschaft darunter leiden würde. Die zuständigen öffentlichen Behörden ließen sich Zeit. Die weltweite Rezession Ende der zwanziger Jahre ließ die Finanzierung des Vorhabens, dessen Gesamtkosten damals auf rund 130 Millionen Lire angesetzt waren, nicht realisierbar erscheinen. Erst im Jahr 1936 wurde die Baugenehmigung erteilt. Sie ging an die Staatsbahnen und die mit ihnen verbundene „SEAA“, welche sich sofort an die Arbeit machten – die Projekte waren bis in alle Details ausgearbeitet – und setzten innerhalb von zwei Jahren das gewaltige Vorhaben in die Tat um.

Bis zu 6.000 Arbeiter waren auf den diversen Baustellen tätig. 32,5 Tonnen Sprengstoff, 52.500 Tonnen Zement und mehr als 2.500 Tonnen Stahl wurden eingesetzt. Im November 1940 waren die Arbeiten so weit beendet, dass die Anlage in Betrieb genommen werden konnte. Die erzeugte Energie wurde zu einem wesentlichen Teil in die zu dieser Zeit sich stark entwickelnden oberitalienischen Industriegebiete geleitet.

Film zum Kraftwerk

Ein technisches Meisterwerk

Das Entstehen dieser großen Kraftwerksanlage wurde europaweit verfolgt und der Besucherstrom während der Bauarbeiten war zeitweilig so groß, dass die Behörden eingreifen und den Zustrom einschränken mussten. In der Tat handelte es sich um ein äußerst komplexes Vorhaben. Zwei große Stauseen ermöglichen die geregelte Nutzung des Wassers. Unterhalb der Ortschaft Franzensfeste, wo die Natur einen von Felsen gesäumten Engpass geschaffen hatte, wurde der Eisack mithilfe eines 61 Meter hohen Doppelbogenstaudammes gestaut. Bei Mühlbach wurde die Rienz mithilfe eines 25 Meter hohen Gewichtsdammes aufgestaut. Dieser See fasst rund 1.350 Millionen Kubikmeter, jener bei Franzensfeste rund 1.370 Millionen Kubikmeter Wasser. Über zwei Druckstollen, welche dann in einen 6 Kilometer langen gemeinsamen Druckstollen münden, wird das Wasser von den beiden Stauseen zum sogenannten Wasserschloss geleitet, ehe es über eine Druckrohrleitung zu den fünf Turbinen in der Maschinenhalle des Kraftwerks von Brixen geführt wird.

Das Kraftwerk wurde oberhalb des Zusammenflusses der beiden Fließgewässer Eisack und Rienz errichtet. Die Maschinenhalle wurde im Inneren einer 85 Meter langen, 15 Meter breiten und 18 Meter hohen Kaverne errichtet und ist durch einen 60 Meter langen Zugangstunnel erreichbar. Die Bruttofallhöhe des Wassers beträgt ca. 164 Meter und die maximale ableitbare Wassermenge beträgt 70 m3/sec. 

Beide Stauseen wurden mit den zur Bauzeit technisch verfügbaren und in der Folge laufend angepassten und modernisierten Sicherheitsvorrichtungen ausgestattet. Ein Problem stellt die „Versandung“ der beiden Stauseen von Franzensfeste und Mühlbach dar, da das Fassungsvermögen eingeschränkt wird sowie Eisack und Rienz durch Schwemmmaterialien belastet werden. Um dem entgegenzuwirken werden regelmäßig Instandhaltungsarbeiten durchgeführt.

Technische Daten

Einzugsgebiet 2.700 km2
Wasserfassungen Franzensfeste am Eisack, Mühlbach an der Rienz
Länge der Zuleitungsstollen 6 km
Länge der Druckrohrleitung 358 m
Fallhöhe 164 m
Maximale Leistung 90.000 kW
Mittlere Jahresproduktion 515 GWh
Turbinenanzahl 5
Turbinentyp Francis
Achsen vertikale

Noch mehr grüne Energie: Zwei neue Wasserkraftwerke am Fuß der Staumauern

Am Fuß der Staumauern Franzensfeste und Mühlbach realisierte Alperia zwei kleine Wasserkraftwerke, wie in den Konzessionsauflagen für die Anlage Brixen vorgesehen. Diese beiden Kraftwerke, in Betrieb seit 2016, nutzen zur Stromproduktion das Restwasser, das ist jene Mindestmenge an Wasser eines Flusses, die bei einer Stauanlage weiterhin flussabwärts fließen muss, um die ökologischen Funktionen des Gewässers sicherzustellen, etwa den Lebensraum für Fische und andere Lebewesen im Wasser. Auf diese Weise wird auch das Restwasser, bevor es wieder in die Flüsse Eisack und Rienz fließt, für die saubere Energieproduktion genutzt und das Kraftwerk Brixen noch effizienter und nachhaltiger.

Das Restwasserkraftwerk Franzensfeste ist mit einer Francisturbine mit vertikaler Achse ausgestattet und nutzt eine Fallhöhe von 43 Metern. Damit liegt die durchschnittliche Jahresproduktion des Kleinkraftwerks bei 7 GWh. Das Restwasserkraftwerk Mühlbach mit einer Kaplanturbine und vertikaler Achse nutzt dagegen 17 Meter Fallhöhe und produziert jährlich durchschnittlich 6 GWh sauberen Strom.

Umweltpläne

Die Wasserkraftanlage Brixen verteilt sich mit ihrer Gesamtinfrastruktur auf sieben Ufer- und Standortgemeinden: Brixen, Franzensfeste, Lüsen, Natz-Schabs, Mühlbach, Rodeneck und Vahrn. Auf diese Gemeinden werden die Umweltgelder aufgeteilt, die in den 30 Jahren Laufzeit der Konzession, von 2011 bis 2040, von Alperia zu Verfügung gestellt werden. Insgesamt sind es 77 Millionen Euro für die Umsetzung von Maßnahmen für Umwelt und Bevölkerung.

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