{"id":117222,"date":"2026-08-24T14:14:28","date_gmt":"2026-08-24T12:14:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.alperia.eu\/?p=117222"},"modified":"2026-08-24T14:20:33","modified_gmt":"2026-08-24T12:20:33","slug":"die-unterirdische-kathedrale-wo-das-kraftwerk-luft-holt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.alperia.eu\/de\/die-unterirdische-kathedrale-wo-das-kraftwerk-luft-holt\/","title":{"rendered":"Die unterirdische Kathedrale: Wo das Kraftwerk Luft holt"},"content":{"rendered":"<p>Alle f\u00fcnf bis sieben Jahre \u00f6ffnet sich ein Raum, den sonst niemand zu Gesicht bekommt. Ein Raum so hoch wie ein 13-st\u00f6ckiges Geb\u00e4ude und gro\u00df genug, um rund 19.000 Kubikmeter Wasser aufzunehmen. Willkommen im Wasserschloss des Kraftwerks Brixen.<\/p>\n<p>Wer auf die H\u00fcgel oberhalb von Brixen blickt, ahnt nicht, was sich tief im Berg verbirgt. Denn vom Kraftwerk Brixen, einem der gr\u00f6\u00dften Wasserkraftwerke S\u00fcdtirols, sind von au\u00dfen nur die beiden Stauanlagen, der Auslaufkanal und die Zug\u00e4nge zur Anlage zu sehen. Der eigentliche Gigant liegt verborgen im Berg: kilometerlange Stollen, Druckleitungen, Kavernen und riesige Wasserbauwerke, die im Normalbetrieb vollst\u00e4ndig mit Wasser gef\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Genau deshalb bleiben diese Bauwerke den meisten Menschen verborgen. Und genau deshalb ist ihre regelm\u00e4\u00dfige Inspektion etwas Besonderes.<\/p>\n<p>Dieses Jahr bot sich erneut die seltene Gelegenheit, die normalerweise vollst\u00e4ndig mit Wasser gef\u00fcllten Bauwerke des Kraftwerks von innen zu begutachten. Daf\u00fcr musste die Anlage au\u00dfer Betrieb genommen und vollst\u00e4ndig entleert werden. Allein dieser Vorgang nahm rund zehn Stunden in Anspruch, bevor die Fachkr\u00e4fte mit den Inspektionen und den geplanten Instandhaltungsarbeiten beginnen konnten.<\/p>\n<p>Es handelt sich dabei im pr\u00e4zise Teamarbeit \u00fcber mehrere Bereiche von Alperia Greenpower hinweg: Die operative Zone Pustertal k\u00fcmmerte sich um die Entleerung und die Sicherungsma\u00dfnahmen, Asset Risk Management \u00fcbernahm die Inspektionen und Bestandsaufnahme der Anlagen, w\u00e4hrend der Bereich Zivilbau die Instandhaltungsarbeiten mit den beteiligten Fachfirmen koordinierte.<\/p>\n<h2><strong>Eine unterirdische Kathedrale<\/strong><\/h2>\n<p>Der eindrucksvollste Ort liegt hoch \u00fcber dem eigentlichen Kraftwerk verborgen im Berg: das Wasserschloss.<\/p>\n<p>Schon der Name klingt geheimnisvoll. Seine Aufgabe ist jedoch h\u00f6chst praktisch. Das Wasserschloss funktioniert wie die Lunge der Anlage. Es gleicht Druckschwankungen aus und sch\u00fctzt das gesamte hydraulische System vor den enormen Kr\u00e4ften, die beim Betrieb eines Kraftwerks entstehen.<\/p>\n<p>Beeindruckend sind auch seine Dimensionen: Das Bauwerk ist rund 40 Meter hoch und verzweigt sich in mehrere gro\u00dfe Kammern. Insgesamt finden hier etwa 19.000 Kubikmeter Wasser Platz, ein Volumen, das ungef\u00e4hr 25 Einfamilienh\u00e4usern entspricht.<\/p>\n<p>Betritt man den entleerten Raum, f\u00fchlt man sich eher in eine unterirdische Kathedrale versetzt als in ein technisches Bauwerk. Erst die Menschen, die am Boden stehen, machen sichtbar, wie gigantisch die Ausma\u00dfe tats\u00e4chlich sind.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-117218 size-large\" src=\"https:\/\/www.alperia.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pozzo-piezometrico-1024x911.jpg\" alt=\"pozzo pizometrico\" width=\"800\" height=\"712\" srcset=\"https:\/\/www.alperia.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pozzo-piezometrico-1024x911.jpg 1024w, https:\/\/www.alperia.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pozzo-piezometrico-300x267.jpg 300w, https:\/\/www.alperia.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pozzo-piezometrico-768x684.jpg 768w, https:\/\/www.alperia.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/pozzo-piezometrico.jpg 1501w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<h2>Sechs Kilometer durch den Berg<\/h2>\n<p>Dass sich heute ein derart komplexes System unter Brixen befindet, ist das Ergebnis einer gewaltigen Ingenieurleistung. Zwar gab es bereits Anfang der 1920er-Jahre erste Pl\u00e4ne zur gemeinsamen Nutzung von Eisack und Rienz, doch erst 1936 wurde die Baugenehmigung erteilt. Die Dimensionen der Baustelle waren beeindruckend: Auf den verschiedenen Baustellen arbeiteten zeitweise bis zu 6.000 Menschen. F\u00fcr den Bau wurden 32,5 Tonnen Sprengstoff, 52.500 Tonnen Zement und mehr als 2.500 Tonnen Stahl ben\u00f6tigt. Zahlen, die auch heute noch erahnen lassen, welche Herausforderung der Bau eines der gr\u00f6\u00dften Wasserkraftwerke s\u00fcdlich der Alpen darstellte.<\/p>\n<p>Das Kraftwerk wurde 1942 in Betrieb genommen und wird von den Stauseen Franzensfeste und M\u00fchlbach gespeist \u2013 w\u00e4hrend die beeindruckenden Wasserbauwerke seit Jahrzehnten ihren Dienst verrichten, wurde die technische \u201eHerzkammer\u201c der Anlage erst vor wenigen Jahren modernisiert: 2021 wurden die elektromechanischen Anlagen und Maschinens\u00e4tze erneuert.<\/p>\n<p>Das Wasser stammt aus einem Einzugsgebiet von rund 2.700 Quadratkilometern. Die Wasserableitungen der beiden Seen vereinigen sich bei Aicha in der Gemeinde Natz-Schabs zu einem Druckstollen mit einem Durchmesser von 5,2 Metern.<\/p>\n<p>Von dort legt das Wasser rund sechs Kilometer im Berg zur\u00fcck, bevor es das Wasserschloss erreicht. Anschlie\u00dfend str\u00f6mt es durch die Druckrohrleitung zu den f\u00fcnf vertikalen Francisturbinen des Kavernenkraftwerks Brixen. Zwischen Wasserschloss und Turbinen \u00fcberwindet das Wasser dabei eine Fallh\u00f6he von 164 Metern. Nach der Stromproduktion wird das Wasser wieder an die Rienz zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>Wie leistungsf\u00e4hig die Anlage ist, zeigt ein einfacher Vergleich: Bei maximalem Durchfluss k\u00f6nnte das Kraftwerk Brixen ein olympisches Schwimmbecken in etwa 40 Sekunden f\u00fcllen. Die f\u00fcnf Turbinen erzeugen dabei j\u00e4hrlich rund 520 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom und versorgen damit etwa 173.000 Haushalte mit erneuerbarer Energie.<\/p>\n<h2>Unsichtbar, aber unverzichtbar<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend viele technische Anlagen t\u00e4glich sichtbar sind, verrichtet das Kraftwerk Brixen einen Gro\u00dfteil seiner Arbeit im Verborgenen. Umso wichtiger sind die regelm\u00e4\u00dfigen Inspektionen der unterirdischen Bauwerke. Sie sorgen daf\u00fcr, dass die Anlage auch in Zukunft zuverl\u00e4ssig erneuerbare Energie f\u00fcr S\u00fcdtirol liefern kann. Und sie erm\u00f6glichen einen seltenen Blick hinter die Kulissen einer Welt, die sonst unter Millionen Litern Wasser verborgen bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle f\u00fcnf bis sieben Jahre \u00f6ffnet sich ein Raum, den sonst niemand zu Gesicht bekommt. Ein Raum so hoch wie ein 13-st\u00f6ckiges Geb\u00e4ude und gro\u00df genug, um rund 19.000 Kubikmeter Wasser aufzunehmen. Willkommen im Wasserschloss des Kraftwerks Brixen. Wer auf die H\u00fcgel oberhalb von Brixen blickt, ahnt nicht, was sich tief im Berg verbirgt. 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