Nachhaltiger Tourismus. Wie weit sind wir?

Nachhaltigkeit
Nachhaltiger Tourismus. Wie weit sind wir?

In Europa ist Italien an erster Stelle, was die Anzahl der nachhaltigen Hotelbetriebe angeht: 156 sind es, was 47 % der europäischen Einrichtungen mit EU-Umweltzeichen[1] entspricht. Der Tourismus orientiert sich also immer mehr an der Nachhaltigkeit, mit Bio-Bauernhöfen, kleinen Dörfern, plastikfreien Stränden und neuen Strategien zur Eindämmung der Entvölkerung im Landesinneren. Aber es gibt noch viele Herausforderungen, die die gesamte Lieferkette betreffen. 

Langsames Reisen, verantwortungsvolles Reisen 

Italien wird zum Vorreiter eines neuen Tourismusmodells, das mehr auf den Umweltschutz und das Wohlergehen der lokalen Gemeinschaften achtet. Außerdem ist es durch eine Sensibilität gekennzeichnet, die in den letzten Jahren, zum Teil als Folge des neuen durch die Pandemie geschärften Bewusstseins und zum Teil als Folge neuer, vor allem von jungen Menschen vertretener Werte, gewachsen ist. „In den letzten drei Jahren wurde für Einführung von Maßnahmen zur konkreten Umsetzung der Nachhaltigkeit in Beherbergungsbetrieben sehr viel getan, was auch dank des Nationalen Plans für Wiederaufbau und Resilienz (PNRR) möglich war, der verschiedene Bonusse für die energetische Sanierung und für weitere Maßnahmen vorgesehen hat. Nachhaltige gastgewerbliche und nicht gastgewerblichen Betriebe zu haben bedeutet nämlich, ihre Energieeffizienz zu erhöhen, das Management von Wasserressourcen und der Systeme zur Abfallsammlung zu verbessern, sowie die Pflege des Territoriums, der Biodiversität und des kulturellen Erbes zu fördern“, erklärt Sileno Sartori, Präsident von Adria Bikes Hotel, im Hinblick auf „Quo Vadis! Sostenibile. L'unico possibile“, einer Veranstaltung, die dem einzig möglichen Tourismus gewidmet ist, d. h. dem nachhaltigen Tourismus, und an der auch wir von Alperia teilnehmen werden. 

Eine Teamleistung 

Um einen voll nachhaltigen Tourismus zu fördern, bedarf es unterschiedlicher Fähigkeiten, und der Energiesektor ist unmittelbar daran beteiligt. Denken Sie zum Beispiel an die Mobilität und wie strategisch wichtig es ist, auf elektrische Verkehrsmittel zählen zu können. Mit Neogy, einem Joint Venture von Alperia und Dolomiti Energia, haben wir in diesem Sinne eine Initiative gestartet, um ein Elektroauto kostenlos für das Carsharing in den Südtiroler Hotels zur Verfügung zu stellen. Die Gäste können den Service kostenlos nutzen, um sich mit null Emissionen fortzubewegen, und während ihres Aufenthalts die Erfahrung machen, mit einem Elektroauto zu fahren. Die ersten PKWs – alle Renault ZOE 100 % elektrisch – wurden bereits 2021 an zehn Hotels ausgeliefert, die sich für zu 100 % aus erneuerbaren Quellen erzeugte Energie entschieden haben. 

Doch die Mobilität ist nur ein Teil des nachhaltigen Wandels, dem der Tourismus entgegengeht. „Die Art und Weise, wie der Kunde seinen Urlaub erlebt, hat sich verändert. Das Wohlbefinden, das der Kunde anstrebt, muss nicht nur wirtschaftlich nachhaltig, sondern auch sozial und ethisch nachhaltig ausgerichtet sein. Kunden achten mehr auf ein qualitatives Angebot und suchen nach Hotels, die Möglichkeiten zur Annäherung an das lokale Gebiet bieten und kurze Lieferketten und biologische Produkte bevorzugen“, so Sartori weiter. 

Hinzu kommen das Wohlergehen der lokalen Gemeinschaften sowie die Wiederentdeckung und der Schutz der einheimischen Traditionen und Kulturen. Der Tourismussektor muss also nicht nur für die Touristen sorgen, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden und die wirtschaftliche Entwicklung im Auge haben. Zu diesem Zweck muss er im Einklang mit dem Territorium handeln. Hüten Sie sich jedoch vor Greenwashing! Die Reisenden von heute sind sehr viel aufmerksamer, bewusster und kenntnisreicher. Eine rein formale Umweltsensibilität, die nicht von konkreten Maßnahmen begleitet wird, ist leicht erkennbar und kann denjenigen, die sie praktizieren, sehr schaden. 

„Die Grundsätze der Nachhaltigkeit stellen eine Zukunftsvision dar. Es gibt keine einzelne Form von Tourismus, die als ‚nachhaltig‘ definiert werden kann: Alle Arten müssen darauf abzielen, es zu sein, auch wenn wir noch weit davon entfernt sind. Nur wenn wir die Planung und alle Umsetzungen nachhaltiger gestalten, werden wir in der Lage sein, einen vollständigen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel im Tourismussektor zu erreichen“, präzisiert Marco Girolami, Nachhaltigkeitsexperte und Senior Partner von Starting4, einem Konsortium von Spezialisten für Tourism Impact Marketing und Mitorganisator der Veranstaltung „Quo Vadis! Sostenibile. L'unico possibile.“ 

Quo vadis

Investitionen und Ausbildung 

Um das Gastgewerbe im Hinblick auf eine erhöhte Nachhaltigkeit zu verbessern, gibt es viele Hebel, die aktiviert werden können. „Im Rahmen des Nationalen Plans für Wiederaufbau und Resilienz gibt es zum Beispiel die Maßnahme FRI-TUR (revolvierender Fonds für Unternehmensförderung und Entwicklungsinvestitionen im Tourismus, verwaltet von Invitalia) mit einem Topf von 780 Millionen Euro an Anreizen, die für Maßnahmen im Bereich Steigerung der energetischen Effizienz und der Erdbebensicherheit, Beseitigung architektonischer Barrieren, außerordentliche Instandhaltung, Restaurierung und konservative Sanierung, Digitalisierung und Erneuerung der Ausstattung beantragt werden können“, erklärt Girolami. 

Aber Vorsicht, denn der ökologische Tourismus ist nicht nur eine Investitionsquelle, sondern wird auch zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor, u. a. in Bezug auf das Image, vor allem, wenn er in das Gebiet integriert ist. Und ebenso wichtig ist die Verbindung mit der Innovation. Denken Sie nur daran, wie sehr die digitale Technologie dazu beiträgt, den Tourismus zwischen Sharing Economy, Museen im Metaverse und virtuellen Touren zugänglicher zu machen. Immer häufiger reicht es aus, ein Headset für  virtuelle und erweiterte Realität zu tragen, um einen kulturell-touristischen „Zero-Impact“-Besuch zu genießen. 

Es ist jedoch entscheidend, dass die gesamte Kategorie bereit und entsprechend geschult ist. „Das Wissen über ESG-Themen (Environmental, Social, Governance) ist zentral. Der nächste Schritt wird darin bestehen, einen geeigneten internationalen Zertifizierungsweg zu aktivieren und die Kultur der Nachhaltigkeit in den Organisationen zu fördern, damit sie zu einem Kernwert des Beherbergungsangebots und aller Maßnahmen wird“, so Sartori abschließend. 

Nur Betreiber, die sich dieser Aufgabe bewusst sind, geschult werden und sich voll engagieren, werden in der Lage sein, dem Tourismus ein nachhaltigeres Gesicht zu geben und mit Beständigkeit und Authentizität langfristig einen Mehrwert zu schaffen. 

[1]Umweltzeichen der Europäischen Union, das Produkte und Dienstleistungen auszeichnet, die zwar hohe Leistungsstandards erfüllen, sich aber während ihres gesamten Lebenszyklus durch eine geringere Umweltbelastung auszeichnen. 

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