Energiegemeinschaften: Kollektiv genutzte Energie für vernetzte und nachhaltige Gebiete

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Die neue Regelung und die Beschleunigung Südtirols

Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende nicht länger aufgeschoben werden kann, vor allem nicht in dieser aktuellen besonderen Situation. Die Energiewende zielt auf erneuerbare Energien und ein Umdenken in der gesamten Energiekette – von der Erzeugung bis zum Verbrauch. Energiegemeinschaften könnten bei diesem Übergang eine entscheidende Rolle spielen. Energiegemeinschaften nutzen erneuerbare Ressourcen und fördern eine nachhaltige, lokale und saubere Stromproduktion. Sie zielen auf die Senkung der eigenen Energiekosten ab, machen unabhängiger und leisten einen Beitrag zur Klimaneutralität.

Energy Communities sind das innovative Modell für die Erzeugung, die Verteilung und den Verbrauch der aus erneuerbaren Quellen produzierten Energie, dem das gesetzesvertretende Dekret 199/2021 einen wichtigen Impuls gegeben hat. Diese Beschleunigung wurde prompt auch in Südtirol aufgegriffen.

Energy Communities

Das Konzept der Energiegemeinschaft ist einfach: In einer Energiegemeinschaft können sich unterschiedliche Akteure zusammenfinden und aus erneuerbaren Quellen erzeugte Energie teilen; sie also gemeinsam verbrauchen, sie speichern und/oder verkaufen. Wer eine an das Netz angeschlossene Anlage besitzt, wird nun als Prosumer (Producer und Consumer) definiert. Er vereint die Rolle der Erzeuger und Verbraucher und hat die Möglichkeit, über das intelligente Netz (sog. Smart Grid) einen Teil der von seiner Anlage erzeugten Energie mit den anderen Verbrauchern (Consumers) zu teilen.

Das Smart Grid ist das Ergebnis des jüngsten Digitalisierungsprozesses des Stromnetzes, der auf Sensoren und Komponenten künstlicher Intelligenz basiert. Diese gestatten den Übergang von einem zentralisierten physischen Netz, in dem der Betreiber die einzelnen Haushalte mit Strom versorgt (one-to-many-Übertragung), zu einem dezentralisierten digitalen Netz, in dem alle Netzmitglieder vernetzt werden können (one-to-one-/many-to-many- Übertragung).

Das oben genannte Dekret, das die Europäische Richtlinie RED II umsetzt, führt nun wichtige Neuerungen und Vereinfachungen für den kollektiven Eigenverbrauch und die Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften ein, wie die Möglichkeit, die räumliche Beschränkung des Zusammenschlusses zu erweitern und die Leistungsgrenze von 200 kW für die installierten Anlagen aufzuheben. All dies mit dem Zweck, den Prozess des nachhaltigen Wachstums Italiens im Einklang mit den europäischen Zielen der Dekarbonisierung des Energiesektors zu beschleunigen.

Nach Erlass des Dekrets hat auch Alperia ihr Engagement in diesem Bereich verstärkt und eine Kooperation mit Regalgrid und dem Raiffeisenverband Südtirol auf den Weg gebracht. Mit Regalgrid, einem der führenden Unternehmen im Bereich der digitalen Energie, hatte Alperia bereits 2019 – also vor der Förderung durch den Gesetzgeber – eine der ersten Energiegemeinschaften Italiens im Technologiepark NOI in Bozen zu Testzwecken ins Leben gerufen und interessante Forschungsergebnisse erhalten, welche die Effizienz des Systems bestätigten.

Die Zusammenarbeit zwischen den drei Partnern wird eine noch effizientere gemeinsame Nutzung eines Teils des von privaten und anderen Anlagen erzeugten und gespeicherten Stroms ermöglichen. Die reinen Stromverbraucher können sich zusammenschließen und zu Eigenverbrauchern werden, kollektiv handeln und Gemeinschaften bilden, die mit aus erneuerbaren Quellen erzeugter Energie teilen. Mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung haben sich Alperia, Regalgrid und der Raiffeisenverband Südtirol verpflichtet, die Gründung solcher Gemeinschaften zu fördern und der Südtiroler Bevölkerung die damit verbundenen zahlreichen Vorteile bewusst zu machen – von der Senkung der Energiekosten bis hin zum konkreten Beitrag für den Umweltschutz.

In Kürze wird ein Pilotprojekt gestartet, das die Gründung einer von einer Genossenschaft geführten Energiegemeinschaft mit Beteiligung von Stromverbrauchern und -erzeugern vorsieht. Nach einer ersten Untersuchungs- und Analysephase werden weitere Schritte zur Unterstützung und Förderung der Energiegemeinschaften in ganz Südtirol folgen. Jeder kann sich an diesen Gemeinschaften beteiligen und aktiv werden für einen sauberen und sparsamen Energieverbrauch.

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