Ist Energie in Italien teurer als im übrigen Europa?

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Energie

Das Thema ist in aller Munde: Die Stromrechnungen sind in die Höhe geschossen und haben in den vergangenen zwölf Monaten die höchsten Preise aller Zeiten (derzeit 255 €/MWh) erreicht. Aber was sind die Gründe für diese Verteuerung? Bezahlt man in Italien wirklich mehr als im Rest Europas? Bevor wir diese Fragen beantworten, sehen wir uns an, wie eine Stromrechnung aufgebaut ist.

Der Gesamtbetrag setzt sich aus den folgenden Komponenten zusammen:

  1. Spesen für den Rohstoff Energie: umfassen den verbrauchten Strom, die Vermarktung, den Verkauf, den Ausgleichsdienst (sog. Dispatching) und die Netzverluste;
  2. Netzdienste: decken die vom Verteiler für den Transport und die Verwaltung der Zähler getragenen Kosten;
  3. Spesen für Systemaufwendungen: betreffen allgemeine Kosten für das Stromsystem, die auch Investitionen für den Übergang zu den erneuerbaren Energien umfassen;
  4. Gebühren und MwSt.: in Höhe von 10 % bei Haushaltszwecken und von 22 % bei anderen Verwendungszwecken.

 „Alle Komponenten außer den Spesen für den Rohstoff Energie werden von der Regulierungsbehörde monatlich, vierteljährlich oder jährlich festgelegt und machen normalerweise etwa 65 % des Endpreises der Energie aus. Die restlichen 35 % setzen sich aus den Kosten für die Energie zusammen, die der Stromanbieter – zum Beispiel Alperia – auf dem Markt einkauft. Diese Komponente kann variabel sein, , oder fix, wenn sie für den gesamten Lieferzeitraum unabhängig von den Marktschwankungen festgelegt wird. Im letzteren Fall hat ein Anstieg des Strompreises keine Auswirkungen auf die Rechnung“, erklärt Diego Ganz, Direktor des Energy Management von Alperia.

Was ist eigentlich der Grund für den Anstieg der Großhandelspreise für Strom, der im vergangenen Jahr so stark zugenommen hat? Er ist zum Großteil auf die Steigerung des Erdgaspreises zurückzuführen. Bei der Stromproduktion ist Italien nämlich noch stark vom Erdgas abhängig (das ca. 43,20 % des italienischen Energiebedarfs deckt), und der Erdgaspreis ist von seinem historischen Tiefstand im Jahr 2020 auf den höchsten Stand in der Geschichte (+500 %) gestiegen. Grund für diese Steigerung war eine Mischung von wirtschaftlichen und geopolitischen Ursachen: zum einen die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie, die steigende Nachfrage nach Erdgas aus Asien und der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland mit der Ankündigung Russlands, seine Lieferungen nach Europa einzustellen.

Gerade die Energiemix-Zusammensetzung in den verschiedenen europäischen Ländern erklärt, warum der Strompreis in Italien so stark gestiegen ist, obwohl Italien diesbezüglich nicht das teuerste Land ist! Nach dem von Eurostat durchgeführten Vergleich entsprach der Strompreis für einen Haushaltskunden in Italien in der zweiten Jahreshälfte 2021 dem europäischen Durchschnitt (236 €/MWh) und war teurer als in Frankreich (202 €/MWh), aber niedriger als in Spanien und Deutschland (323 €/MWh). Von allen EU-Ländern ist Italien das Land, das am meisten Erdgas einsetzt, während der Anteil der erneuerbaren Energien bei 38 % liegt. Frankreich hingegen nutzt die Kernenergie, und Deutschland ist, obwohl immer noch stark von der Kohle abhängig, bei den erneuerbaren Energien weiter vorn (auch deshalb hat es höhere Systemaufwendungen).

Diego Ganz, Direktor des Energy Management von Alperia
Diego Ganz, Direktor des Energy Management von Alperia

Und die Zukunft? „Angesichts der hohen Spannungen ist es nicht einfach, Prognosen zu erstellen, aber eins ist sicher: Es ist wichtig, die Abhängigkeit von Erdgas zu verringern und in Energieeffizienz zu investieren. Alperia verwendet in erster Linie Energie aus erneuerbaren Quellen und führt ein umfangreiches Effizienzprogramm durch. Darüber hinaus helfen wir Unternehmen Dekarbonisierungsprojekte durchzuführen und unterstützen die Entwicklung von Energiegemeinschaften. Diejenigen, die sich durch Selbsterzeugungs- und Speichersysteme unabhängig machen können tun dies, indem sie sich Energiegemeinschaften anschließen oder sich für die Dekarbonisierung entscheiden. Jetzt ist die Zeit für Veränderungen gekommen“, so Diego Ganz abschließend.