Notfallplan: Das sieht der Plan zur Senkung des Gasverbrauchs vor

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Notfallplan: Das sieht der Plan zur Senkung des Gasverbrauchs vor
 Reduzierung des nationalen Gasverbrauchs

Reduzierung des Gasverbrauchs

Europa hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, den nationalen Gasverbrauch um mindestens 15 % gegenüber dem Durchschnitt des gleichen Zeitraums in den letzten 5 Jahre zu senken. Laut SNAM-Daten entspricht das Durchschnittsvolumen, das für Italien als Referenz herangezogen werden muss, 55,1 Milliarden Sm3. Der voraussichtliche Verbrauch im betroffenen Zeitraum beträgt 54,8 Milliarden Sm3. Die freiwilligen Maßnahmen zur Nachfragereduzierung belaufen sich somit auf 8,2 Milliarden Sm3 Erdgas. Diese Maßnahmen könnten obligatorisch werden, wenn ein EU-Alarm ausgelöst werden sollte, d. h. ein Verfahren, das Europa auf Antrag von mindestens fünf Nationalstaaten einleiten kann. In diesem Fall kann Europa jedoch die Aufforderung zur Verbrauchsreduzierung mit einem Bonus einschränken, der Mitgliedstaaten mit einem Füllstand ihrer Gasspeicher von über 58 % (ab dem 1. August 2022) belohnt. Der Füllstand in Italien entsprach – wie der Kommission am 1. August 2022 mitgeteilt wurde – 73 % und demzufolge könnte die italienische Regierung Anspruch auf eine Ausnahmeregelung haben, welche die obligatorische Reduzierung von 15 % auf 7 % begrenzen würde, was 3,6 Milliarden Sm3 Erdgas entsprechen würde.

Es muss jedoch unbedingt sofort mit der Umsetzung des freiwilligen Plans zur Reduzierung des Verbrauchs begonnen werden, der Folgendes vorsieht:

  1. Maximierung der Stromerzeugung im thermoelektrischen Sektor durch andere Brennstoffe als Gas und Beschleunigung des Einsatzes erneuerbarer Energien im Elektrizitätssektor
  2. Aktivierung von Maßnahmen zur Heizungsbegrenzung
  3. Einübung von Verhaltensweisen zur effizienten Nutzung der Energie
  4. freiwillige Eindämmung des Verbrauchs im Industriesektor

Maximierung der Stromerzeugung durch andere Brennstoffe als Gas: Italien konzentriert sich auf Anlagen, die Kohle, Heizöl und flüssige Biobrennstoffe verwenden. Es wird davon ausgegangen, dass diese alternative Erzeugung im Zeitraum vom 1. August 2022 bis zum 31. März 2023 zu einer Verringerung um etwa 1,8 Milliarden Sm3 beitragen wird.

Heizungsbegrenzung

Je nach Klimazonen, in die das italienische Staatsgebiet eingeteilt ist, sind Grenzwerte für die Temperatur in den Räumen, für die tägliche Einschaltdauer in Stunden und für die Heizperiode vorgesehen. Es wird eine Reduzierung um 1 °C geben, und zwar auf:

  1. 17 °C (+/- 2 °C Toleranz) in Gebäuden, die für industrielle, handwerkliche und ähnliche Zwecke genutzt werden
  2. 19 °C (+/- 2 °C Toleranz) in allen anderen Gebäuden

Eine weitere Einschränkung betrifft die Heizperiode, die um 15 Tage verkürzt wird: Das Einschaltdatum wird um 8 Tage nach hinten verschoben und das Ausschaltdatum um 7 Tage vorgezogen. Darüber hinaus wird die tägliche Einschaltzeit um 1 Stunde verkürzt.

Es werden stichprobenartige Kontrollen durchgeführt, aber sensible Nutzer wie Krankenhäuser oder Pflegeheime werden von den Maßnahmen ausgenommen.

Die berechneten Einsparungen zwischen 1. August und 31. März belaufen sich auf mehr als 3 Milliarden Sm3.

Effiziente Verhaltensweisen

Die Präsidentschaft des Ministerrats wird zusammen mit ENEA (Nationale Agentur für neue Technologien, Energie und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung) eine Sensibilisierungskampagne starten, um verantwortungsbewusste Verhaltensweisen zu fördern, die auf eine Reduzierung des Gasverbrauchs abzielen und gleichzeitig Einsparungen in den Energierechnungen mit sich bringen. Zu den geförderten Verhaltensweisen gehört insbesondere:

  • Duschtemperatur und -zeit reduzieren
  • Herdtemperatur nach dem Erreichen des Siedepunkts reduzieren und Einschaltzeit des Ofens verkürzen
  • Geschirrspüler und Waschmaschinen nur voll beladen einschalten
  • Stecker der Waschmaschine aus der Steckdose ziehen, wenn diese nicht benutzt wird
  • Kühlschrank während des Urlaubs ausschalten oder Energiesparfunktion einschalten
  • Fernsehgeräte, Decoder und DVD-Spieler nicht im Standby-Modus lassen
  • Anzahl der Stunden, die Glühbirnen eingeschaltet sind, verringern

Durch solche kostenfreien Maßnahmen können Einsparungen von bis zu 2,7 Milliarden Sm3 erzielt werden. Darüber hinaus können durch bestimmte Investitionen weitere Einsparungen erzielt werden, wie z. B.:

  • Ersatz von Haushaltsgeräten durch effizientere Modelle
  • Einbau von effizienteren Klimaanlagen
  • Installation neuer elektrischer Wärmepumpen anstelle der alten Gaskessel
  • Installation von Solarthermieanlagen zur Warmwasserbereitung
  • Ersetzen herkömmlicher Glühbirnen durch LED-Leuchtmittel.

Enea hat dank solcher Maßnahmen weitere Einsparungen in Höhe von etwa 1 Milliarde Sm3 berechnet.

Diese Maßnahmen ergänzen diejenigen, die von der Regierung nach dem Ausbruch des Ukrainekrieges ergriffen wurden, um einen hohen Füllstand der Gasspeicher für den Winter 2022-2023 zu gewährleisten und die Gasimporte zu diversifizieren. Dies soll durch die Maximierung der Nutzung der verfügbaren Infrastruktur und die Erhöhung der Regasifizierung von LNG (d.h. verflüssigtes Erdgas aufbereiten und wieder in Gas umwandeln) erreicht werden. Darüber hinaus wurde ein Abkommen zur Erhöhung der Gaslieferungen aus Algerien unterzeichnet, es wurden die Einfuhren über die TAP-Pipeline (Transadriatische Pipeline mit Ursprung in Aserbaidschan) kurzfristig erhöht sowie Verfahren zur Sicherung von LNG-Lieferungen über neue Routen (Ägypten, Katar, Kongo und andere Länder, mit denen derzeit verhandelt wird, wie Angola, Nigeria, Mosambik, Indonesien und Libyen) eingeleitet. Die Regierung beabsichtigt außerdem, die erste schwimmende Regasifizierungsanlage bis Anfang 2023 und eine zweite Anlage bis 2024 in Betrieb zu nehmen. Die eingeleiteten Initiativen ermöglichen es, bis 2025 etwa 30 Milliarden Sm3 russisches Gas durch etwa 25 Milliarden Sm3 Gas aus anderen Quellen zu ersetzen, wobei die Differenz durch erneuerbare Energiequellen und Energieeffizienzmaßnahmen gedeckt werden soll. Diese Initiativen ergänzen die Maßnahmen zur Steigerung der Strom- und Gaserzeugung aus erneuerbaren Energiequellen: Ab 2023 ist in diesem Zusammenhang die Entwicklung von Offshore- und Onshore-Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien mit rund 8 GW pro Jahr geplant. Im Bereich der erneuerbaren Gase werden schließlich die Entwicklung von Biomethan sowie Investitionen in die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff stark gefördert.

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