Ökologischer Abfluss: die Fallhöhe auf der Töll

Innovation
Ein neues Kraftwerk für mehr grüne Energie

Heute ist der Earth Overshoot Day, d. h. der Tag, an dem die Menschheit alle Ressourcen aufgebraucht hat, die die Erde in einem ganzen Jahr zur Verfügung stellen kann. Dieser Tag hat kein festes Datum, und der Termin rückt im Kalender immer mehr nach vorn. Man bedenke: 1975 fiel er auf den 28. November! Können wir zurückgehen? Der Planet hätte es sicher nötig, und jeder Versuch lohnt sich. Alperia nutzt die Kraft des Wassers zur Energieerzeugung und weiß, dass es so effizient wie möglich vorgehen muss. Zu diesem Zweck investiert es seit jeher in Innovation. Eins der fortschrittlichsten Projekte in dieser Hinsicht ist das neue Restwasserkraftwerk in Töll. 

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Wir sind auf der Töll, im Vinschgau, in der Nähe von Meran, und befinden uns im ältesten der noch in Betrieb befindlichen Wasserkraftwerke aus dem 19. Jahrhundert, der ersten großen Wasserableitung Südtirols. Hier, an der Fassungsanlage, aus der das Wasser für das hydraulische System gewonnen wird, wurde vor Kurzem das neue Restwasserkraftwerk gebaut. Beim Projekt, das vom Bereich Engineering & Consulting von Alperia entwickelt wurde, lässt sich Innovation von der Natur inspirieren, um Energie auf umweltschonende Weise zu erzeugen.

Was ist der ökologische Abfluss? Der ökologische Abfluss (ÖA) ist eine Weiterentwicklung der sogenannten Restwassermenge (RWM), die in der Vergangenheit eingeführt wurde, um einen momentanen Mindestabfluss nach den Ableitungs- und/oder Wasserfassungsanlagen zu gewährleisten, um die Eigenschaften von Gewässern wie Flüssen zu schützen. Der ökologische Abfluss garantiert nicht nur einen momentanen Mindestabfluss, sondern ein hydrologisches Regime in Übereinstimmung mit den Umweltzielen der EU-Richtlinie Nr. 2000/60/EG im Bereich der Wasserpolitik nach Maßgabe der Richtlinie über ökologische Abflüsse. In der Praxis sind die Betreiber von Wasserkraftwerken verpflichtet, das Wasser nach den Stauwerken so zurückzugeben, dass das ökologische System der Fließgewässer intakt bleibt und die natürliche Reproduktion der Fischfauna gewährleistet ist. Dieser Mechanismus unterliegt Kontrollen und sieht Sanktionen im Falle der nicht erfolgten Rückgabe des Wassers vor.

Was geschah in Töll? Im Februar 2020 wurde mit den Arbeiten für den Bau eines neuen Restwasserkraftwerks begonnen, das im Mai 2022 den ersten Probebetrieb aufnehmen konnte. Das neue Kraftwerk soll die Wiederverwendung von Wasserressourcen optimieren und gleichzeitig die ökologische Integrität des Flusses nach der Wasserfassung erhalten. Dazu wurde ein 850-kVA-Generator installiert, gekoppelt mit einer Kaplanturbine. Gemeinsam haben sie die Aufgabe, den ökologischen Abfluss auf einer größeren Höhe auszunutzen und ihn auf einer niedrigeren Stufe zurückzugeben. Mit dem neuen System ist es also möglich, rund 2 % mehr Energie zu erzeugen ohne zusätzliches Wasser entnehmen zu müssen. Die Turbine, der Generator und die elektrische Ausrüstung wurden in einem 17 Meter tiefen Schacht installiert, der mit Hilfe von Sprengungen vollständig in den Felsen gegraben wurde, um die Auswirkungen aus landschaftlicher Sicht zu minimieren.

Darüber hinaus ermöglicht das neue Kraftwerk, eine pünktliche Rückgabe des ökologischen Abflusses zu gewährleisten und den Strahl des Wasserfalls, der diesen speist, zu verringern. Dieser verursachte nämlich im Winter oft Probleme wie die Bildung von Frost- und Raureifschichten auf der darüber liegenden Straße. Vor dem Bau des Kraftwerks war es in den Wintermonaten notwendig, den größten Teil des ökologischen Abflusses etwa 300 Meter nach der Wasserfassungsanlage abzugeben, um die Wasserführung zu verringern. Dieses Problem wurde mit der neuen Energierückgewinnungsanlage gelöst. Der spektakuläre Wasserfall, der sich im Sommer in der Hochwassersaison aufgrund von Überläufen auf der Fassungsanlage bildet und als Touristenattraktion gilt, bleibt hingegen unverändert. Das Projekt ermöglicht es also, eine bessere Nutzung der Wasserkraft mit einer geringeren Umweltbelastung zu verbinden.

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Alperia hat in diesem Zusammenhang ein fortschrittliches Steuerungssystem (APC), das Alperia Sybil Water, entwickelt, das mit Hilfe von Feldsensoren und Tools künstlicher Intelligenz alles einfacher und genauer macht, um den Weg zu mehr Energieeffizienz optimal zu unterstützen.  

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