Im Eggental, eingebettet zwischen steilen Bergflanken, verarbeitet X Timber – das ehemals als Holz Pichler bekannte Sägewerk – Jahr für Jahr große Mengen Holz zu hochwertigen Produkten. Ein : Große Maschinen, Trocknungsanlagen und ein durchgehender Betrieb verbrauchen rund 7.000 Megawattstunden Strom pro Jahr.
Seit der Inbetriebnahme im Juli 2026 stammt ein Teil des Strombedarfs von X Timber vom eigenen Dach. Gemeinsam mit Alperia Green Future hat das Unternehmen eine Photovoltaikanlage mit knapp einem Megawatt Leistung errichtet – an einem Standort, der auf den ersten Blick eher gegen Sonnenstrom spricht.
Ein Standort mit Tücken: Photovoltaik im Schatten
„Im Winter, wenn die Sonne tief steht, haben wir an unserem Standort in der Talsohle des Eggentals von Ende November bis Anfang Februar keine Sonneneinstrahlung“, erläutert Michael Gilli, Inhaber und Geschäftsführer von X‑Timber.
Ein Tal wie dieses ist auf den ersten Blick keine klassische Photovoltaik‑Lage. „Standorte mit dieser Topografie gehören für eine PV‑Anlage in dieser Größenordnung nicht zu den naheliegenden Lagen – der nahe Berg sorgt im Winter für ausgeprägte Beschattung“, bestätigt Alan Crivellaro, Verantwortlicher Technical Management Photovoltaik KMU bei Alperia Green Future. „Unsere Einstrahlungsanalysen haben aber gezeigt, dass die übrigen Monate ein sehr solides Ertragsprofil ergeben.“
Bereits vor 15 Jahren hatte sich X Timber mit Photovoltaik beschäftigt – damals waren Modul‑Wirkungsgrade und Anschaffungskosten allerdings so, dass sich die Investition unter diesen Bedingungen nicht rechnete. Dank moderner Planungs- und Simulationsprogramme konnte das Unternehmen das Potenzial des Standorts neu bewerten.: „Wir haben festgestellt, dass wir in den übrigen neuneinhalb Monaten eine gute Einstrahlung haben – und dass sich eine PV‑Anlage bei uns lohnt“, so Gilli. Auch der Verbrauchscharakter passt zur Photovoltaik: Der Betrieb läuft zwar rund um die Uhr, der Großteil der Produktion fällt jedoch in die Tagstunden – also genau dann, wenn Sonnenenergie verfügbar ist.
Der richtige Partner: Schlüsselfertige PV-Anlage von Alperia
In Italien sind PV‑Projekte dieser Größenordnung mit erheblichem bürokratischen Aufwand verbunden. „Allein die Genehmigung, den selbst erzeugten Strom auch selbst nutzen zu können, ist nicht leicht zu bekommen“, sagt Gilli. Gesucht wurde deshalb ein Partner, der sowohl die technische Realisierung als auch sämtliche Behördengänge übernehmen kann. Die Wahl fiel auf Alperia – auch wegen der langjährigen Geschäftsbeziehung.
Ursprünglich war eine Realisierung im Rahmen eines regionalen Förderprogramms im Gespräch. „Dieses befand sich zum damaligen Zeitpunkt noch in einer sehr frühen Phase, was für den Kunden zu lange Wartezeiten bedeutet hätte“, erläutert Alessandro Costa, Verantwortlicher Photovoltaik KMU bei Alperia Green Future. X Timber entschied sich daher für einen Direktkauf der Anlage und nutzte parallel Fördermittel aus dem italienischen Aufbau‑ und Resilienzplan PNRR, die 40 Prozent der förderfähigen Kosten abdecken. Geliefert wurde schlüsselfertig: Alperia übernahm Planung, Genehmigungen, Lieferung, Baustellenorganisation und Installation – und betreute zugleich den Förderantrag.
„Wir richten unser Angebot gezielt auf Photovoltaikanlagen für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Energiegemeinschaften aus“, erklärt Costa. „X Timber ist dafür ein Beispielprojekt.“
Zwei Monate Bauzeit und Technik für besondere Bedingungen
Während sich die behördliche Phase – von den ersten Begehungen über die Planung bis zur endgültigen Freigabe zwischen August und September 2025 – über rund eineinhalb Jahre erstreckte, ging der eigentliche Bau zügig vonstatten. „Wir haben im November 2025 mit der Installation begonnen und Ende Dezember abgeschlossen“, berichtet Alan Crivellaro. Module, Wechselrichter und Metallstrukturen wurden in kurzer Folge geliefert, spezialisierte Teams arbeiteten parallel an unterschiedlichen Abschnitten. Nach einer Testphase wurde die Anlage im Juli 2026 vollständig in Betrieb genommen.
Auf rund 7.000 Quadratmetern Dachfläche wurden 1.550 Module zu je 645 Watt montiert, jedes etwa 1,40 mal 1,10 Meter groß. Die installierte Leistung beträgt 999,75 kW, der Wechselrichter ist mit 990 kW ausgelegt. „Wir haben die Module in Ost‑West‑Ausrichtung mit einer Neigung von fünf Grad installiert. Diese Konfiguration maximiert bei den gegebenen Bedingungen die Energieausbeute über den Tag“, erklärt Crivellaro.
Für die Ertragsprognose kam das öffentliche Tool PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System) der Europäischen Kommission zum Einsatz, das historische Einstrahlungsdaten mit den technischen Parametern der Anlage verknüpft. Die PV‑Anlage ist direkt an das bestehende Stromnetz des Sägewerks angeschlossen. „Zwischen 80 und 90 Prozent der Jahresproduktion fließen in den Eigenverbrauch“, so Crivellaro. Erwartet wird ein Jahresertrag von knapp 900 Megawattstunden.

Erste Bilanz: 10 Prozent Mehrertrag
„Die Anlage arbeitet effizienter als ursprünglich angenommen. In den ersten Testmonaten haben wir rund zehn Prozent mehr produziert, als unsere Kalkulation ergeben hatte“, freut sich Michael Gilli.
Schon jetzt deckt X Timber tagsüber 90 Prozent seines Strombedarfs aus eigener Erzeugung. Die PV‑Anlage ergänzt dabei das hauseigene Blockheizkraftwerk, das Holzreststoffe wie Hackschnitzel, Sägemehl und Rinde in Wärme und Strom umwandelt.
„Angesichts der vielen Krisen weltweit hat sich die Entscheidung mehr als bestätigt“, sagt Gilli. „Das spart Kosten und ist zugleich gut für die Umwelt.“
Ein Baustein einer größeren Strategie: Energieautarkie im Sägewerk
Mit der ersten Anlage ist die Energiestrategie von X Timber nicht abgeschlossen. Zwei weitere PV‑Anlagen auf weiteren Betriebsgebäuden sind gemeinsam mit Alperia bereits in Planung, die Genehmigungen werden erwartet. „Unser Ziel ist die vollständige Energieautarkie – und davon sind wir gar nicht mehr weit entfernt“, so Gilli. Überschüssiger Strom soll künftig ins Netz eingespeist werden – als Beitrag zur Energiewende.
„Hätten wir gewusst, dass alles so reibungslos läuft, hätten wir die Entscheidung wohl früher getroffen“, resümiert Gilli. Dass auch ein Standort mit anspruchsvoller Topografie ein wirtschaftlich tragfähiges PV‑Projekt ermöglicht, dürfte über das Eggental hinaus Beachtung finden. Im Unternehmen selbst hat es bereits Signalwirkung entfaltet: Zwei Mitarbeitende von X Timber planen mittlerweile selbst eine PV‑Anlage auf dem eigenen Wohnhaus.















