Südtirol gehört zu den begehrtesten Reisezielen Europas: Dolomiten-Panoramen, Apfelhaine, alpine Hochtäler und mediterrane Promenaden in einer kleinen Region. Mit der Beliebtheit wächst aber auch der Druck auf Landschaft und Klima – allen voran durch den motorisierten Individualverkehr, der einen erheblichen Anteil der CO₂-Emissionen im Alpenraum ausmacht.
Der Klimaplan Südtirol 2040 gibt dazu eine klare Marschrichtung vor: Der private Pkw-Verkehr soll bis 2040 um 40 Prozent reduziert und das Sharing-Angebot in den Gemeinden konsequent ausgebaut werden. Wer heute eine Reise nach oder durch Südtirol plant, kann diesen Wandel aktiv mitgestalten – mit der Wahl der richtigen Verkehrsmittel. Im Mittelpunkt stehen dabei die öffentliche Mobilität, das landesweite E-Carsharing AlpsGo und eine immer dichtere Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
Anreise: Zug und Bus als nachhaltige Basis
Die nachhaltigste Etappe einer Reise ist meist die Anfahrt. Dank der Anbindung an das Fernnetz und einer wachsenden Anzahl an Direktzügen ist Südtirol mit dem Zug aus Norden wie aus Süden gut zu erreichen. Wer Südtirol mit der Bahn ansteuert, nutzt eine direkte Anbindung an Brenner-, Pustertal- und Vinschgerbahn – ein integriertes Schienennetz, das die großen Talschaften erschließt.
Mit dem Südtirol Guest Pass oder dem Mobilcard-Angebot lassen sich Züge, Stadt- und Linienbusse sowie Seilbahnen des öffentlichen Personennahverkehrs nahtlos kombinieren. So ist man bereits nach der Ankunft autofrei mobil.
AlpsGo: Elektrisches Carsharing mit Ökostrom aus Südtirol
Wo öffentliche Verkehrsmittel an ihre Grenzen kommen – etwa für Ausflüge in abgelegene Seitentäler oder den Transport von Wanderausrüstung – setzt AlpsGo an. Das landesweite E-Carsharing wurde 2024 von Alperia gemeinsam mit der Genossenschaft Carsharing Südtirol gegründet. Aktuell stehen rund 60 vollelektrische Fahrzeuge an mehr als 30 Stationen in Bozen, Meran, Brixen, Schlanders, Mals, Lana, Schenna, Tramin und vielen weiteren Gemeinden bereit; perspektivisch sollen es landesweit 300 Autos werden.
Sämtliche Fahrzeuge fahren mit zertifiziertem Ökostrom, der in Südtirol vorrangig aus Wasserkraft gewonnen wird. Die Buchung läuft komplett digital: AlpsGo!-App herunterladen, Ausweis und Führerschein einmalig hochladen, Station wählen, Auto öffnen – und losfahren. Versicherung, Strom und Wartung sind im Tarif inbegriffen.
Elektromobilität in den Alpen: Reichweite und Ladeinfrastruktur
Ein verbreiteter Vorbehalt gegen E-Autos im Bergland ist die Reichweite. In der Praxis decken moderne Modelle 300 bis 450 Kilometer pro Ladung ab – mehr als genug für die meisten Tagestouren, etwa von Bozen ins Pustertal und zurück oder von Meran in den Vinschgau. Die Ladeinfrastruktur ist in Südtirol vergleichsweise dicht: Hunderte öffentliche Ladepunkte, viele davon im Netz von Alperia, sind über die Alperia EasyCharge-App erreichbar.
Wer mit dem eigenen E-Auto anreist, plant idealerweise so, dass an Etappenzielen oder Hotels mit Wallbox geladen wird – in der Regel reicht ein nächtlicher Ladevorgang. Für längere Strecken empfiehlt sich eine Vorab-Routenplanung über entsprechende Apps oder direkt über die Anwendungen der Ladenetzbetreiber.
Die letzte Meile clever lösen
In Südtirol heißt „letzte Meile“ oft: vom Bahnhof zum Wanderparkplatz, zur Almhütte oder zum Bauernhof im Seitental. Genau hier zeigt das Zusammenspiel von öffentlichem Verkehr und Carsharing seine Stärke.
Wer mit dem Zug bis nach Schlanders oder Brixen fährt, kann dort ein AlpsGo-Fahrzeug für wenige Stunden oder einen ganzen Tag mieten. Das ist nicht nur ökologisch vorteilhaft, sondern auch ökonomisch sinnvoll: Laut dem deutschen Bundesverband Carsharing ersetzt ein Carsharing-Auto je nach örtlichen Gegebenheiten fünf bis 19 Privat-Pkws, da es täglich von mehreren Personen genutzt wird – statt wie ein Privatfahrzeug rund 23 Stunden am Tag stillzustehen.
Tourismus und Beherbergung: Carsharing als Service für Gäste
Carsharing wird von Gästen in Südtirol bereits rege genutzt – und das Angebot wird gezielt für den Tourismus weiterentwickelt. Eine deutlich einfachere und schnellere digitale Registrierung senkt die Einstiegshürde für Reisende. Besonders relevant für internationale Gäste: AlpsGo ist in das Flinkster-Netzwerk der Deutschen Bahn eingebunden. Wer bereits bei Flinkster oder einem ausländischen Partneranbieter registriert ist, kann ohne erneute Anmeldung direkt auf die AlpsGo-Flotte zugreifen – ein klarer Vorteil für Reisende aus Deutschland, Österreich und darüber hinaus.
Auch Beherbergungsbetriebe selbst können das Angebot direkt einbinden und ihren Gästen ein geteiltes Fahrzeug zur Verfügung stellen, das parallel auch der lokalen Bevölkerung zugutekommt.
Sanfte Mobilität als Teil eines bewussten Reisestils
Nachhaltige Mobilität entfaltet ihren vollen Effekt, wenn sie mit einem insgesamt umweltbewussten Reisestil kombiniert wird. Nicht zuletzt ist auch das Fahrrad – elektrisch unterstützt oder klassisch – auf den gut ausgebauten Talradwegen entlang von Etsch, Eisack und Rienz eine vollwertige Alternative zum Auto.
Eine kurze Checkliste für die Reiseplanung
Vor der Abreise lohnt es sich, einige Eckpunkte zu prüfen: Lässt sich die Anreise per Bahn organisieren? Bietet die Unterkunft eine Wallbox oder Ladestation? Welche AlpsGo-Stationen liegen in der Nähe der geplanten Aktivitäten? Welche Mobilitätsangebote stellt der Beherbergungsbetrieb bereit?
Wer diese vier Fragen vorab klärt, hat die Grundlage für eine Reise gelegt, die Südtirols Landschaft nicht belastet, sondern bewahrt – und gleichzeitig einen konkreten Beitrag zu den Klimazielen 2040 leistet.

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